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Labor mit KI analysieren

Metabolik 6 Min. Lesezeit 22. Dez 2025

Labor mit KI analysieren

Labor mit KI analysieren

Warum Kontext wichtiger ist als die Zahl auf dem Befund

Die neue Welt der Laborwert-Analyse

Sie haben Ihren Laborbefund bekommen. Die Zahlen stehen da, manche fett gedruckt, manche mit einem + oder - daneben. Was tun die meisten Menschen? Sie googeln. Oder sie laden den Befund bei ChatGPT hoch.

Das funktioniert erstaunlich gut – oberflächlich. Die KI erklärt, was ein erhöhter Ferritin-Wert bedeuten könnte. Sie listet mögliche Ursachen auf. Sie gibt Empfehlungen.

Aber dann stellen Sie fest: Diese Empfehlungen gelten für jeden. Für Sie, für Ihren Nachbarn, für jemanden am anderen Ende der Welt. Die KI weiß nicht, dass Sie vor drei Wochen eine Erkältung hatten. Sie weiß nicht, dass Ihr Ferritin vor sechs Monaten noch normal war. Sie kennt nicht Ihre Ernährung, nicht Ihren Schlaf, nicht Ihre Vorgeschichte.

„Das ist das Problem: Nicht die KI. Sondern die fehlende Einordnung."

Ein Wert sagt wenig – der Kontext sagt alles

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: den HOMA-Index und HbA1c.

Was ist der HOMA-Index?

Der HOMA-Index (Homeostatic Model Assessment) berechnet sich aus Nüchtern-Insulin und Nüchtern-Glukose. Er zeigt, wie empfindlich Ihre Zellen auf Insulin reagieren – ein früher Marker für Insulinresistenz, lange bevor der Blutzucker selbst auffällig wird.

Ein HOMA-Index von 2,5 ist grenzwertig. Ein Wert von 3,5 ist erhöht. Aber was bedeutet das für Sie persönlich?

Der Kontext macht den Unterschied

Wenn Sie den HOMA-Index isoliert bei ChatGPT eingeben, bekommen Sie eine generische Antwort: „Ein erhöhter HOMA-Index kann auf Insulinresistenz hindeuten. Empfehlung: Weniger Kohlenhydrate, mehr Bewegung."

Was die KI nicht weiß:

  • Haben Sie am Abend vor der Blutabnahme noch spät gegessen?
  • War Ihr Schlaf in den Tagen davor schlecht? Schlechter Schlaf erhöht die Insulinresistenz temporär.
  • Wie sah der Wert vor sechs Monaten aus?
  • Und vor allem: Wie verhält sich Ihr HbA1c dazu?

HOMA-Index + HbA1c = das volle Bild

Der HbA1c zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 8-12 Wochen. Ein normaler HbA1c bei erhöhtem HOMA-Index bedeutet: Die Insulinresistenz ist da, aber Ihr Körper kompensiert noch – er produziert einfach mehr Insulin.

Ein erhöhter HbA1c bei erhöhtem HOMA-Index bedeutet: Die Kompensation funktioniert nicht mehr.

Dieser Unterschied ist entscheidend – für die Dringlichkeit, für die Maßnahmen, für Ihre Gesundheit. Aber eine KI, die nur einen einzelnen Wert sieht, kann das nicht beurteilen.

Was generische KI-Tools können – und was nicht

Es gibt inzwischen spezialisierte Plattformen wie BloodGPT, die versprechen, Laborwerte verständlich zu machen. Sie laden Ihren Befund hoch, und die KI erstellt ein Dashboard mit Erklärungen.

Das ist ein Fortschritt. Wirklich. Aber auch diese Tools haben Grenzen:

Sie kennen keine Historie. Ein einzelner Ferritin-Wert von 250 ng/ml kann harmlos sein (wenn er bei Ihnen immer so war) oder alarmierend (wenn er vor drei Monaten noch bei 80 lag).

Sie kennen keinen Kontext. War Ihr CRP bei dieser Blutabnahme auch erhöht? Dann ist der Ferritin-Wert wahrscheinlich eine Akute-Phase-Reaktion, kein Zeichen für Eisenüberladung.

Sie können keine Zusammenhänge über mehrere Datenquellen hinweg erkennen. Der HOMA-Index allein sagt wenig. HOMA-Index + HbA1c + Triglyceride + HDL erzählen eine Geschichte. Aber die ganze Geschichte? Die ergibt sich erst, wenn man weitere Puzzleteile hinzufügt: War in Ihrem letzten Ultraschallbefund vielleicht eine Fettleber als Randbemerkung erwähnt? Zeigt Ihr regelmäßiges Ernährungs-Update Veränderungen in den letzten Wochen?

Sie haben keine ärztliche Einbettung. Wenn die KI etwas Beunruhigendes findet, was dann? Sie haben eine Zahl, aber keinen Arzt, der diese in Ihren Gesamtkontext einordnet. Sie sind verunsichert. Sie versuchen, Ihren Arzt zu erreichen – aber es geht nur das Band ran.

Was wir anders machen

Wir und unsere Patienten nutzen KI für Laboranalysen seit April 2025 in unserer Praxis. Aber wir haben das System von Anfang an anders aufgebaut:

Ärztlich kuratierter Kontext

Bevor Ihr persönliches GPT Ihre Laborwerte interpretiert, haben wir gemeinsam mit Ihnen einen Kontext aufgebaut. Das System kennt nicht nur Ihre aktuellen Werte, sondern versteht auch Ihre Vorgeschichte, Ihre Ziele, Ihre gesundheitlichen Herausforderungen – und darüber hinaus Ihre Gewohnheiten und Ihre Familiengeschichte.

Dynamischer Zugriff statt Daten-Dump

Bestimmte Informationen müssen im Arbeitsgedächtnis des GPT sein – sonst wüsste es nicht, welche Daten aus der Dokumentenfülle überhaupt relevant sind. Dieses Arbeitsgedächtnis haben wir sorgfältig ärztlich kuratiert. Aber alle Laborwerte der letzten zehn Jahre als Zahlenreihen dort aufzuführen? Das würde den Kontext verwässern, nicht schärfen.

Stattdessen kann Ihr GPT bei Bedarf über eine sichere API-Schnittstelle aktuelle Daten aus unserer Praxis abrufen. Gezielt. Relevant. Aktuell.

Ärztliche Einbettung

Wenn Sie bei der Interpretation Ihrer Werte auf eine Frage stoßen, die Sie beschäftigt, können Sie diese direkt an uns weiterleiten. Wir arbeiten dann mit unserem eigenen Zugang zum selben System – wir können die Fragestellung aus ärztlicher Perspektive vertiefen und Zusammenhänge erkennen, die einem Laien verborgen bleiben.

Wichtig dabei: Wir lesen nicht Ihre Chats mit dem GPT. Ihre Gespräche mit der KI bleiben privat. Aber wenn Sie eine Frage entwickeln, die Sie mit uns besprechen möchten, können Sie diese weiterleiten. Wir arbeiten dann mit demselben Kontext, aber ohne Ihre privaten Gespräche zu sehen.

Der Unterschied in der Praxis

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen Ihren Laborbefund. Ihr HOMA-Index ist bei 3,2 – erhöht.

Mit einer generischen KI

Sie bekommen eine Liste möglicher Ursachen und allgemeine Empfehlungen. Sie sind verunsichert, aber nicht schlauer.

Mit unserem System

Das GPT sieht, dass Ihr HOMA-Index vor sechs Monaten bei 1,8 lag. Es sieht, dass Ihr HbA1c noch normal ist. Es weiß, dass Sie kürzlich beruflich gestresst waren und schlechter geschlafen haben – und dass es Ihnen in dieser Phase schwerer fiel, Ihre Ernährungs- und Fitnessroutinen einzuhalten.

Die Einordnung könnte so aussehen:

„Der Anstieg ist relevant, aber im Kontext Ihrer Stressphase möglicherweise temporär. Wichtig ist jetzt gegenzusteuern – und dafür haben wir bereits Strategien entwickelt: Ihre Schlafhygiene-Routine wieder aktivieren, das 16:8-Fasten konsequenter einhalten, und die drei Kraft-Einheiten pro Woche priorisieren, auch wenn es nur 20 Minuten sind. Besonders wirksam war bei Ihnen der abendliche Spaziergang mit Gewichtsweste nach späten Mahlzeiten durch den Wald bis zum Rewe – vielleicht lässt sich das wieder einbauen. Und falls Sie zusätzliche Motivation brauchen: Im Januar hat Ihnen der CGM geholfen, dranzubleiben und sich zu kontrollieren. Wäre das wieder eine Option? Kontrolle in 6-8 Wochen, wenn sich Schlaf und Routinen normalisiert haben. Falls Sie das mit uns besprechen möchten, können Sie die Frage direkt weiterleiten – oder wir vereinbaren kurzfristig einen Video-Call."

„Das ist der Unterschied zwischen Information und Einordnung."

Für wen ist das relevant?

Unser System ist für Menschen, die mehr wollen als generische Antworten:

  • Menschen, die ihre Laborwerte proaktiv verstehen wollen
  • Menschen, die Zusammenhänge über einzelne Werte hinaus erkennen wollen
  • Menschen, die ärztliche Begleitung schätzen – nicht als Gatekeeper, sondern als Partner
  • Menschen, die sich für Longevity interessieren und ihre Biomarker im Blick behalten wollen

Es ist kein Ersatz für ärztliche Begleitung. Es ist ein Werkzeug, das die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und uns verbessert.

Fazit

KI kann Laborwerte erklären. Das ist gut. Aber Erklärung ist nicht Einordnung.

Ein HOMA-Index von 3,2 kann ein vorübergehender Stolperstein sein – oder ein frühes Warnsignal für eine ungünstige Entwicklung, wenn keine Gegenstrategie vorhanden ist. Ein Ferritin von 250 kann normal sein oder besorgniserregend. Die Zahl allein sagt es nicht.

Was Sie brauchen, ist ein System, das Ihre Geschichte kennt, Ihre Werte im Verlauf sieht, Zusammenhänge erkennt – und Ihnen eine ärztliche Einordnung ermöglicht, wenn Sie sie brauchen.

„Das haben wir gebaut. Seit zehn Monaten. In Deutschland."

Wie könnte eine KI-gestützte Laboranalyse für Sie aussehen?

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