Supplemente mit AI verstehen
Warum Ihr Supplement-Stack eine individuelle Einordnung braucht – nicht noch eine generische Liste
Das Supplement-Dilemma
Sie haben Andrew Huberman gehört. Omega-3, Magnesium, Vitamin D, Kreatin, Tongkat Ali. Klingt sinnvoll. Sie haben Bryan Johnsons Blueprint gesehen – über 100 Pillen am Tag. Beeindruckend, aber auch: Ist das wirklich nötig?
Sie googeln. Sie fragen ChatGPT. Sie bekommen Listen, Dosierungen, Warnhinweise. Alles korrekt. Alles relativ generisch. Und am Ende stehen Sie mit zehn Dosen auf dem Tisch und der Frage: Brauche ich das wirklich?
„Das ist das Supplement-Dilemma: Zu viel Information, zu wenig Einordnung."
Was generische KI kann – und was nicht
Wenn Sie ChatGPT fragen, ob Sie Omega-3 nehmen sollten, bekommen Sie eine solide Antwort. Die KI erklärt die Wirkmechanismen, zitiert Studien, nennt Dosierungsempfehlungen. Das ist nützlich.
Aber die KI weiß nicht:
- Wie hoch Ihr Omega-3-Index tatsächlich ist
- Dass Sie dreimal pro Woche Lachs essen
- Dass Sie ASS 100 nehmen – und es bei höheren Omega-3-Dosen Wechselwirkungen gibt
- Ob Ihr Budget für teure Supplements überhaupt sinnvoll eingesetzt ist
Das Ergebnis: Eine generische Empfehlung, die für Sie vielleicht passt – oder völlig irrelevant ist.
Unsere Position: Konservativ, aber offen
Wir sind bei Supplements grundsätzlich zurückhaltend. Nicht weil wir dogmatisch sind, sondern weil die meisten Menschen mit Lifestyle-Interventionen mehr erreichen als mit Pillen.
Die Hierarchie
Erst Lifestyle: Training, Schlaf, Ernährung. Kostenlos, evidenzbasiert, keine unbekannten Langzeitrisiken.
Dann messen: Bevor Sie supplementieren, sollten Sie wissen, ob ein Mangel vorliegt. Vitamin D bei 60 ng/ml supplementieren? Überflüssig. Vitamin D bei 15 ng/ml? Sinnvoll.
Dann gezielt supplementieren: Mit klarer Indikation, messbarem Ziel, definiertem Zeitraum.
Was wir empfehlen können
Kreatin: Jahrzehntelange Sicherheitsdaten, nachgewiesene Effekte auf Muskelkraft und Kognition, kostengünstig (10-15 € pro Monat).
Vitamin D: Bei nachgewiesenem Mangel – in Deutschland bei vielen Menschen relevant. Nicht nur im Winter: Unserer Erfahrung nach sind auch Menschen, die im Sommer viel draußen sind, oft unterversorgt. Wichtig: Tägliche Einnahme ist der wöchentlichen Hochdosis-Gabe überlegen – das zeigen Arbeiten von Holick und anderen.
Omega-3: Bei schlechtem Omega-3-Index und wenn Ernährungsanpassung nicht realistisch ist. Allerdings: langsam eindosieren und nicht in den oft empfohlenen Megadosen. Besonders bei Risikofaktoren für oder vorbekannten Herzrhythmusstörungen ist Vorsicht geboten. Wir bleiben in der Regel unter 2g, am liebsten unter 1g EPA/DHA.
Magnesium: Bei Bedarf – Krämpfe, Schlafprobleme, niedriger Spiegel.
...und je nach Situation weitere. Das sind Beispiele, keine vollständige Liste – was für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihren individuellen Werten und Zielen ab.
Was wir nicht empfehlen
- Supplements ohne Indikation („kann ja nicht schaden")
- Komplexe Stacks nach Influencer-Protokollen ohne Individualisierung
- Teure Nischenprodukte mit dünner Evidenz
Ein konkretes Beispiel: Omega-3
Sie fragen Ihr generisches GPT: „Soll ich Omega-3 nehmen?"
Generische Antwort
„Omega-3-Fettsäuren können entzündungshemmend wirken und sind wichtig für Herzgesundheit. Empfohlene Dosis: 2-4g EPA/DHA täglich. Achten Sie auf Qualität und Reinheit."
Das Problem: Diese hohen Dosen sind nicht für jeden geeignet. Neuere Daten zeigen, dass Omega-3 in Megadosen bei Menschen mit Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen problematisch sein kann – ein Zusammenhang, den viele Influencer nicht erwähnen.
Mit unserem System
„Ihr letzter Omega-3-Index lag bei 4,2% – das ist suboptimal (Ziel: 8-11%). Sie haben angegeben, dass Sie selten Fisch essen. Gleichzeitig haben Sie in Ihrer Vorgeschichte gelegentliches Herzstolpern erwähnt – hier sind höhere Omega-3-Dosen potenziell problematisch.
Empfehlung: Supplementierung ist bei Ihnen sinnvoll, aber mit vorsichtiger Dosis (500mg EPA/DHA zum Start, langsam auf maximal 1g steigern). Kontrolle des Omega-3-Index in 3 Monaten.
Soll ich diesen Plan an Ihre Ärzte schicken und fragen, ob wir das so umsetzen sollen?"
„Das ist der Unterschied: Nicht generische Information, sondern individuelle Einordnung."
Wie wir Supplements mit KI einordnen
Sie kommen zu uns mit Ihrem aktuellen Stack. Zehn Dosen, zusammengestellt aus verschiedenen Podcasts und Amazon-Bestsellern.
Das Supplement-Review
Bestandsaufnahme
Sie laden ein Foto oder eine Liste hoch. Wir erfassen, was Sie nehmen.
Abgleich mit Ihrem Kontext
Das GPT kennt Ihre Laborwerte – Vitamin D, Omega-3-Index, Magnesium, B12, Ferritin. Es kennt Ihre Medikamente. Es kennt Ihre Ernährungsgewohnheiten und Ihre Ziele.
Analyse
Wir analysieren jedes Supplement ärztlich – unterstützt durch Ihr Gesundheits-GPT und Ihre uns bekannten Vorbefunde: Ist das bei Ihnen indiziert? Gibt es Wechselwirkungen? Ist die Dosierung sinnvoll? Gibt es Überschneidungen?
Ärztliche Einordnung
Wir schauen uns die Analyse an. Wir priorisieren: Was ist wichtig, was ist nice-to-have, was ist überflüssig, was ist potenziell problematisch?
Ihr neuer Stack
Weniger Pillen. Klare Begründung für jede einzelne. Definierte Kontrollparameter.
Typisches Ergebnis
Von 12 Supplements auf 4 reduziert:
Muskelkraft, Kognition – stark evidenzbasiert
Bei Ihnen 22 ng/ml – eindeutiger Bedarf
Index 4,2% – Bedarf, moderate Dosis
Schlafprobleme, leicht niedriger Spiegel
Gestrichen: Biotin (kein Mangel – und wichtig zu wissen: Schon typische Beauty-Dosen ab 5 mg können Laborwerte verfälschen, etwa Schilddrüsenwerte oder Troponin), Resveratrol (dünne Evidenz, teuer), Ashwagandha (bei diesem Patienten keine klare Indikation – bei anderen kann das anders aussehen), drei überlappende Antioxidantien-Kombis.
~80 €
Ersparnis pro Monat
↓
Risiko reduziert
✓
Wirkung messbar
Was Sie davon haben
Weniger Pillen
Nur das, was bei Ihnen wirklich einen Unterschied macht.
Mehr Sicherheit
Wechselwirkungen mit Medikamenten werden berücksichtigt. Überdosierungen vermieden.
Klare Begründung
Für jedes Supplement wissen Sie, warum Sie es nehmen – und wann Sie es absetzen können.
Messbare Ergebnisse
Vitamin D, Omega-3-Index, Kreatin – wir kontrollieren, ob die Supplementierung wirkt.
Geld gespart
Die meisten unserer Patienten reduzieren ihre Supplement-Ausgaben deutlich.
Gemeinsame Entscheidung bei Unklarheiten
Falls ein Supplement anhand der Datenlage nicht abschließend bewertbar ist, entscheiden wir gemeinsam – transparent und ohne Dogma.
Der Supplement-Stack ist nicht das Ziel
Wir verstehen den Reiz: Ein optimierter Stack fühlt sich an wie Kontrolle. Wie aktive Gesundheitsgestaltung. Und ja – gezielte Supplementierung kann sinnvoll sein.
Aber der Stack ist nicht das Ziel. Das Ziel ist Gesundheit, Energie, Langlebigkeit. Und dafür sind Ihre drei Kraft-Einheiten pro Woche wichtiger als jede Pille. Ihr Schlaf ist wichtiger. Ihre Ernährung ist wichtiger.
„Supplements sind Feintuning – nicht das Fundament."
Fazit
KI kann Ihnen sagen, was Omega-3 ist und wofür es gut sein soll. Das ist Information. Aber Information ohne Kontext ist bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls irreführend.
Was Sie brauchen, ist ein System, das Ihre Laborwerte kennt, Ihre Medikamente berücksichtigt, Ihre Ziele versteht – und Ihnen eine individuelle Einordnung gibt, die ärztlich abgestimmt ist.
Weniger Pillen. Mehr Sicherheit. Klare Begründung.
„Das ist der Unterschied zwischen einem Supplement-Stack nach YouTube und einer individualisierten Supplement-Strategie."