Testosteron-Werte verstehen: Perzentilen, die Normwert-Falle und wo Sie wirklich stehen
Ein Testosteronwert wird erst dann aussagekräftig, wenn Sie ihn richtig verorten – als Perzentile unter gesunden Männern Ihres Alters, nicht als bloßes „normal".
Sie haben einen Testosteronwert auf dem Laborzettel und die Frage im Kopf: Ist das gut? Der Referenzbereich sagt „normal", aber normal fühlt sich nicht immer richtig an – und wer Peter Attia hört, weiß, dass „gerade noch normal" etwas anderes ist als „für mein Alter optimal". Dieser Artikel verortet Ihren Wert dort, wo es sinnvoll ist: in der Verteilung gesunder Männer Ihres Alters. Mit den vollständigen Tabellen, den nötigen Hinweisen zu Einheiten und Messmethoden – und einem Tool, mit dem eine KI Ihrer Wahl – zum Beispiel Claude, Gemini, ChatGPT oder Grok – Sie durch Ihren eigenen Wert führt.
Ein Hinweis vorweg: Ein Perzentilwert bietet Orientierung und ersetzt keine Diagnose. Warum das so ist und was ein Wert wirklich aussagt, steht am Ende. Dieser Artikel ist Teil unseres großen Ratgebers Testosteron optimieren.
Auf einen Blick
- Der starre Grenzwert (etwa 300 ng/dl) markiert den Beginn eines Graubereichs und funktioniert nicht wie ein Schalter. Fachgesellschaften definieren Bereiche, keine harte Linie.
- Perzentilen sind aussagekräftiger als der Referenzbereich. Sie zeigen, wo Sie unter gesunden Männern Ihres Alters stehen.
- Der Maßstab entscheidet. „Gesunde, nicht-adipöse Männer" ergeben höhere Werte als „alle Männer" – weil letztere auch Kranke und Übergewichtige enthalten.
- Einheit und Messmethode verschieben die Zahlen. ng/dl gegenüber nmol/l und moderne Massenspektrometrie gegenüber älterem Immunoassay sind nicht direkt vergleichbar.
- Freies Testosteron ist die aktive Fraktion – und mit dem Alter oft stärker gefallen als der Gesamtwert, weil das Bindungsprotein SHBG steigt.
- Eine hohe Perzentile ist kein Freifahrtschein und eine niedrige kein Urteil. Symptome, Verlauf und weitere Werte gehören dazu.
Die Normwert-Falle: warum „300" nur der Anfang einer Geschichte ist
Die meisten Labore markieren einen Testosteronwert erst dann als auffällig, wenn er unter eine feste Grenze fällt – klassisch etwa 300 ng/dl (rund 10,4 nmol/l). Das klingt nach einer klaren Linie, ist aber keine. Die Fachgesellschaften beschreiben bewusst Bereiche:
- Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) sieht ein Gesamt-Testosteron unter 8 nmol/l (etwa 230 ng/dl) bei passenden Symptomen als klaren Behandlungsgrund.
- Über 12 nmol/l (etwa 350 ng/dl) ist eine Therapie meist nicht angezeigt.
- Dazwischen, im Bereich 8 bis 12 nmol/l, liegt der Graubereich: kein sicherer Mangel, aber bei Beschwerden eine mögliche Mitursache. Hier gehört eine zweite Messung samt freiem Testosteron dazu.
- Die US-amerikanische Endocrine Society setzt die untere Referenzgrenze etwas tiefer bei 264 ng/dl (9,2 nmol/l) an.
Die berühmten 300 ng/dl liegen also mitten in diesem Graubereich. Hinzu kommt: Der Laborreferenzbereich ist weit, altersunabhängig und stammt oft aus einer Durchschnittsbevölkerung, in der auch Übergewichtige und Kranke enthalten sind. „Innerhalb der Norm" kann damit sehr vieles bedeuten – vom robusten Wert eines gesunden 25-Jährigen bis zum unteren Rand.
Was eine Perzentile sagt – und warum der Maßstab zählt
Eine Perzentile beantwortet eine einfache Frage: Wie viele Männer der Vergleichsgruppe liegen unter Ihrem Wert? Wer auf der 50. Perzentile liegt, ist im Mittelfeld. Wer auf der 90. liegt, hat einen höheren Wert als 90 % der Vergleichsgruppe.
Entscheidend ist, welche Vergleichsgruppe. Adipositas und chronische Erkrankungen senken Testosteron. Eine Perzentile aus allen Männern liegt deshalb niedriger als eine aus gesunden, schlanken Männern. Für die Frage „Wie gut ist mein Wert, wenn ich gesund bin und es optimieren will?" ist die gesunde, nicht-adipöse Referenz der treffendere Maßstab. Sonst wirkt man überdurchschnittlich, nur weil der Durchschnitt kränkelt.
Gesamt-Testosteron nach Alter: die Tabellen
Die belastbarste Datengrundlage ist eine Harmonisierung von vier großen US- und europäischen Kohorten, gemessen mit dem Referenzverfahren der Massenspektrometrie und zentral am CDC kalibriert (Travison et al. 2017). Sie liefert beide Maßstäbe.
Junge Männer (19–39 Jahre)
| Perzentile | Gesund & nicht-adipös (ng/dl) | ≈ nmol/l | Alle Männer (ng/dl) | ≈ nmol/l |
|---|---|---|---|---|
| 2,5. | 264 | 9,2 | 228 | 7,9 |
| 10. | 349 | 12,1 | 318 | 11,0 |
| 25. | 428 | 14,8 | 396 | 13,7 |
| 50. (Median) | 531 | 18,4 | 507 | 17,6 |
| 75. | 645 | 22,4 | 626 | 21,7 |
| 90. | 773 | 26,8 | 755 | 26,2 |
| 97,5. | 916 | 31,8 | 895 | 31,0 |
Quelle: Travison et al. 2017 – direkt harmonisierte Perzentilen (19–39 J.).
Ein gesunder, schlanker 30-Jähriger mit 531 ng/dl liegt genau im Median. Wer rund 770 erreicht, gehört zu den oberen 10 %. Im Pool aller Männer läge derselbe 531er-Wert schon leicht über dem Median – ein gutes Beispiel dafür, wie stark der Maßstab wirkt.
Alle Altersgruppen (modellbasiert, ng/dl)
Gesunde, nicht-adipöse Männer:
| Perzentile | 19–39 | 40–49 | 50–59 | 60–69 | 70–79 | 80–99 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2,5. | 267 | 235 | 219 | 218 | 218 | 157 |
| 10. | 344 | 310 | 297 | 296 | 292 | 278 |
| 25. | 424 | 386 | 374 | 374 | 372 | 362 |
| 50. | 531 | 481 | 477 | 477 | 477 | 476 |
| 75. | 643 | 608 | 605 | 604 | 604 | 604 |
| 90. | 774 | 749 | 749 | 749 | 749 | 749 |
| 97,5. | 929 | 929 | 929 | 929 | 926 | 913 |
Alle Männer:
| Perzentile | 19–39 | 40–49 | 50–59 | 60–69 | 70–79 | 80–99 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2,5. | 229 | 208 | 192 | 190 | 190 | 119 |
| 10. | 318 | 283 | 262 | 260 | 259 | 256 |
| 25. | 396 | 358 | 341 | 340 | 340 | 338 |
| 50. | 507 | 461 | 446 | 446 | 446 | 446 |
| 75. | 626 | 588 | 573 | 572 | 572 | 572 |
| 90. | 755 | 729 | 720 | 720 | 720 | 720 |
| 97,5. | 902 | 902 | 902 | 902 | 902 | 902 |
Quelle: Travison et al. 2017 – modellierte Alterskurve (daher gegenüber der direkt harmonisierten Tabelle oben minimal abweichende Werte für 19–39).
Ein bemerkenswertes Muster: Mit dem Alter sinken vor allem die unteren Perzentilen, während Median und obere Perzentilen ab etwa 40 erstaunlich stabil bleiben. Gesunde Männer halten ihren Spiegel also oft bis ins hohe Alter; der „Altersabfall" trifft überproportional das untere Ende – dort, wo häufig Übergewicht und Erkrankungen mitspielen.
Die Lebenskurve: Peak um 19, danach kein Abfall des Durchschnitts
Ein Normmodell über die gesamte Lebensspanne (Kelsey et al. 2014, gepoolte Daten von rund 10.000 Männern) bestätigt dieses Bild und fügt einen wichtigen Punkt hinzu. Der Mittelwert erreicht seinen Höhepunkt mit etwa 19 Jahren (rund 15,4 nmol/l bzw. 444 ng/dl) und fällt danach im Median nicht weiter – von 40 bis 88 Jahren bleibt er bei etwa 13 nmol/l (rund 375 ng/dl). Was mit dem Alter zunimmt, ist die Streuung: Das Feld spreizt sich, mehr Männer landen am unteren Rand. Der verbreitete Eindruck „Testosteron sinkt ab 30 stetig" trifft also eher auf den Bevölkerungsdurchschnitt mit zunehmender Krankheitslast zu als auf den gesunden Einzelnen.
Junge Männer im Detail und ein deutscher Abgleich
Für jüngere Männer lohnt ein genauerer Blick, weil hier viele „Optimierer" unterwegs sind. Eine Auswertung repräsentativer US-Daten (Zhu et al. 2022, Massenspektrometrie, Morgenproben) zeigt, wie hoch das Niveau in dieser Gruppe wirklich liegt:
| Alter | Mittelwert (ng/dl) | Unteres Tertil ab (ng/dl) |
|---|---|---|
| 20–24 | 501 | 409 |
| 25–29 | 514 | 413 |
| 30–34 | 456 | 359 |
| 35–39 | 438 | 352 |
| 40–44 | 430 | 350 |
Schon das untere Drittel junger Männer liegt deutlich über der alten 300er-Grenze. Ein 25-Jähriger mit 380 ng/dl ist für sein Alter also eher unterdurchschnittlich, obwohl formal „normal".
Für Deutschland gibt es keine große, granular perzentilierte Kohorte. Die beste verfügbare deutsche Referenz stammt aus der KORA-Studie (Kunz et al. 2023, Massenspektrometrie, Raum Augsburg). Sie ist mit 290 Männern klein und bildet die Allgemeinbevölkerung ab, passt am jungen Ende aber gut zu den harmonisierten Werten (30–39 Jahre: 2,5.–97,5. Perzentile etwa 260–971 ng/dl). Für die granulare Verortung bleibt Travison überlegen, in die mit der EMAS-Kohorte auch europäische Daten einfließen.
Freies Testosteron: die aktive Fraktion
Im Blut ist der größte Teil des Testosterons an Proteine gebunden, vor allem an SHBG. Biologisch aktiv ist überwiegend das freie Testosteron. Deshalb kann ein Mann mit hohem SHBG trotz normalem Gesamtwert zu wenig wirksames Hormon haben – und umgekehrt. Mit dem Alter steigt SHBG, weshalb das freie Testosteron oft stärker fällt als der Gesamtwert (gut gezeigt in der Massachusetts-Male-Ageing-Studie, Mohr et al. 2005).
Moderne Referenzwerte für direkt gemessenes freies Testosteron (Gleichgewichtsdialyse plus Massenspektrometrie) liefert eine aktuelle europäische Arbeit (Walravens et al. 2026):
| Alter | Median (pg/ml) | 25.–75. Perzentile (pg/ml) |
|---|---|---|
| 18–29 | 91 | 78–116 |
| 30–39 | 77 | 64–93 |
| 40–49 | 63 | 52–77 |
| 50–59 | 55 | 44–66 |
| 60–69 | 47 | 37–58 |
| 70–79 | 41 | 33–50 |
| ≥ 80 | 33 | 26–40 |
Einheiten-Hilfe: 1 pg/ml entspricht etwa 3,47 pmol/l; 1 ng/dl entspricht 10 pg/ml. Ein Median von 91 pg/ml sind also rund 9,1 ng/dl oder 316 pmol/l.
Ein wichtiger Vorbehalt: Die absoluten Werte für freies Testosteron hängen stark von der Messmethode ab. Eine zweite, ebenfalls hochwertige Referenz (Jasuja et al. 2023) kommt für junge Männer auf deutlich höhere Zahlen. Beide nutzen die Dialyse-Methode, aber unterschiedliche Protokolle. Für Sie heißt das: Vergleichen Sie einen freien-Testosteron-Wert nur innerhalb derselben Labormethode und mit deren Referenzbereich.
Wie freies Testosteron gemessen wird – und warum es als „schwierig" gilt. Die genaueste Methode ist die Gleichgewichtsdialyse in Kombination mit Massenspektrometrie. Sie ist aufwendig, Speziallaboren vorbehalten und, wie eben gesehen, je nach Protokoll unterschiedlich. Die direkten „Free-Testosterone"-Immunoassays, die viele Routinelabore anbieten, gelten dagegen als unzuverlässig und werden von den Fachgesellschaften nicht empfohlen. Der pragmatische Standard ist deshalb das berechnete freie Testosteron: Aus Gesamt-Testosteron, SHBG und Albumin wird es über eine etablierte Formel geschätzt – am gebräuchlichsten die Vermeulen-Formel. Diesen berechneten Wert bieten größere Labore heute routinemäßig an, und er ist gut verwertbar. Er hängt allerdings von der Qualität der SHBG-Messung und den Annahmen der Formel ab; neuere Modelle versuchen, die Genauigkeit weiter zu verbessern. Die eigentliche „Schwierigkeit" liegt also weniger darin, dass sich freies Testosteron gar nicht verlässlich bestimmen ließe, als in der Vergleichbarkeit über Methoden und Protokolle hinweg. Genau deshalb sollte man Werte nur innerhalb desselben Verfahrens vergleichen – und sie ärztlich beurteilen lassen.
Einheiten und Methoden: die häufigsten Stolpersteine
Zwei Dinge sorgen für die meiste Verwirrung.
Die Einheit. In Deutschland und Europa wird oft in nmol/l gemessen, in den USA und in vielen Studien in ng/dl. Die Umrechnung: ng/dl × 0,0347 = nmol/l; nmol/l × 28,8 = ng/dl. Faustregeln: 500 ng/dl ≈ 17,4 nmol/l, 300 ng/dl ≈ 10,4 nmol/l, 900 ng/dl ≈ 31,2 nmol/l.
Die Messmethode. Ältere Immunoassays und moderne Massenspektrometrie (LC-MS/MS) liefern nicht dieselben Absolutwerte. Ein „650" aus einem Immunoassay ist nicht automatisch ein „650" per Massenspektrometrie. Die Tabellen oben stammen aus Massenspektrometrie-Daten und sind am ehesten untereinander vergleichbar. Ein Wert aus einem Routinelabor kann je nach Verfahren abweichen. Deshalb ist auch die Referenz des messenden Labors immer die erste Bezugsgröße.
Ihren Wert mit einer KI verorten
Mit dem folgenden Tool können Sie Ihren Wert an diesem Artikel entlang beurteilen lassen. Es erstellt einen fertigen Prompt und öffnet ihn auf Wunsch direkt in ChatGPT, Claude oder Gemini – oder Sie kopieren ihn in eine KI Ihrer Wahl. Die KI liest den Artikel, fragt die nötigen Angaben von Ihnen ab und wählt die passende Tabelle.
Vertiefen Sie diesen Artikel mit KI
Holen Sie sich mit einem KI-Sprachmodell (ChatGPT, Claude, Gemini) eine vertiefende Einordnung – auf Basis dieses Artikels. Wir haben den passenden Prompt für Sie vorbereitet.
KI-gestützte Vertiefung
Kopieren Sie den folgenden Prompt und fügen Sie ihn in Ihr bevorzugtes KI-Tool ein. Das Modell liest diesen Artikel und bearbeitet darauf aufbauend die gestellte Aufgabe.
Der folgende Artikel stammt von der privatärztlichen Praxis Longevity Office in Wiesbaden und wurde von den beiden Longevity-Ärzten Dr. med. Mario Domeyer und Dr. med. Paul Weißenfels erstellt. Lies zuerst diesen Artikel vollständig (Webseite, HTML): https://www.longevityoffice.com/longevity-magazin/content/testosteron-normalwerte-optimal/ Falls du den Link nicht direkt abrufen kannst, nutze deine Websuche/Browsing-Funktion oder bitte mich, dir den Artikeltext einzufügen. Hilf mir, meinen Testosteronwert zu verstehen. Frage mich dazu zuerst nacheinander nach: Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht (für den BMI), meinem Testosteronwert mit Einheit (ng/dl oder nmol/l), falls vorhanden freiem Testosteron mit Einheit und SHBG, der Tageszeit der Blutentnahme und ob nüchtern, sowie ob bereits eine Zweitmessung vorliegt. Wähle dann anhand meiner Angaben die passende Referenz aus dem Artikel (richtiges Altersband, gesunde nicht-adipöse Männer gegenüber allen Männern, Gesamt- gegenüber freiem Testosteron) und rechne die Einheit bei Bedarf um (1 ng/dl = 0,0347 nmol/l). Sag mir, in welcher Perzentile mein Wert grob liegt, und ordne ihn für mein Alter ein: unterdurchschnittlich, durchschnittlich oder hoch. Nutze ausschließlich die Zahlen aus dem Artikel und erfinde keine Werte; fehlt eine Angabe, frag nach, statt zu raten. Wenn mein Wert niedrig oder grenzwertig ist, erkläre mir – als reine Information und ausdrücklich OHNE Therapievorschlag – welche Schritte laut Artikel und der dort genannten Literatur üblicherweise zur Absicherung gegengeprüft werden: eine Zweitmessung morgens zwischen 7 und 11 Uhr im nüchternen Zustand sowie ergänzende Laborwerte wie SHBG, Albumin, LH, FSH, DHEA-S und Prolaktin. Formuliere das als „in einer solchen Konstellation wird üblicherweise dies und jenes zusätzlich bestimmt", nicht als Empfehlung, was ich tun soll. Schließe immer mit dem Hinweis: Eine einzelne Perzentile ist keine Diagnose. Testosteron schwankt durch Schlaf, Stress und Infekte, und Symptome haben viele Ursachen. Besprich die Werte mit deinem Arzt oder frage ein unverbindliches Erstgespräch im Longevity Office an (longevityoffice.de).
Direkt im KI-Tool öffnen
Hinweis: KI-Sprachmodelle können Fehler machen – die Antwort dient nur der Orientierung. Verwenden Sie für ein gutes Ergebnis möglichst ein aktuelles (ggf. kostenpflichtiges) Modell und aktivieren Sie, falls verfügbar, den Thinking-/Recherche-Modus. Besprechen Sie alle Antworten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Behandeln Sie das Ergebnis als Orientierung und nicht als fertigen Befund – aus den Gründen im nächsten Abschnitt.
Wichtig: Eine Perzentile ist keine Diagnose
So nützlich die Verortung ist – sie hat Grenzen, die man kennen sollte.
Ein Wert schwankt. Testosteron ist morgens am höchsten und reagiert auf Schlaf, Stress und Infekte. Ein einzelner Wert kann eine Momentaufnahme sein; für eine belastbare Aussage braucht es mindestens zwei Morgenmessungen. Wie man richtig misst, steht in Testosteron richtig messen.
Die individuelle Empfindlichkeit variiert. Es gibt Hinweise, dass Männer unterschiedlich stark auf dieselbe Menge reagieren – etwa durch Unterschiede an den Androgenrezeptoren. Zwei Männer mit gleicher Perzentile können sich verschieden „androgenisiert" fühlen.
Symptome und Verlauf gehören dazu. Eine niedrige Perzentile ohne Beschwerden ist etwas anderes als eine mit klaren Symptomen – und selbst dann ist der Zusammenhang nicht automatisch kausal (mehr dazu in Ist wirklich Testosteron schuld?). Umgekehrt ist eine hohe Perzentile kein Freifahrtschein, etwa wenn sie durch eine Therapie ohne Indikation erkauft ist.
Deshalb steht die Perzentile bei uns am Beginn eines Gesprächs und markiert nicht dessen Ende. Wir messen das vollständige Panel, betrachten Symptome und Verlauf und leiten daraus ab, ob überhaupt etwas zu tun ist – und wenn ja, was.
Häufige Fragen
Welche Perzentile sollte ich anstreben?
Es gibt kein „richtiges" Ziel für jeden. Ein Wert im mittleren bis oberen Bereich der gesunden, nicht-adipösen Referenz ist ein vernünftiger Orientierungspunkt – aber ob und wie man dorthin arbeitet, hängt von Symptomen, Zielen und Risiken ab. Höher ist nicht pauschal besser.
Mein Labor sagt „normal", das Tool sagt „untere Perzentile". Was stimmt?
Beides. „Normal" heißt nur „innerhalb des weiten Referenzbereichs", die Perzentile sagt, wo genau. Gerade im Graubereich (8–12 nmol/l) lohnt der genauere Blick plus eine zweite Messung.
Warum weichen meine Werte von den Tabellen ab?
Meist wegen Einheit oder Messmethode. Prüfen Sie, ob Ihr Wert in ng/dl oder nmol/l angegeben ist, und beachten Sie, dass Routinelabore teils mit Immunoassays messen, die von den Massenspektrometrie-Tabellen abweichen.
Reicht der Gesamtwert, oder brauche ich freies Testosteron?
Wenn der Gesamtwert klar hoch ist und keine Beschwerden bestehen, reicht er oft. Bei grenzwertigen Werten, Symptomen oder Verdacht auf hohes SHBG gehört das freie Testosteron dazu.
Fazit
Ein Testosteronwert wird erst dann aussagekräftig, wenn man ihn richtig verortet: vor dem passenden Maßstab, in der richtigen Einheit und im Wissen um die Messmethode. Perzentilen leisten genau das – sie zeigen, wo Sie unter gesunden Männern Ihres Alters stehen, statt nur „normal" oder „nicht normal" zu sagen. Was sie nicht leisten, ist eine Diagnose. Dafür braucht es Symptome, Verlauf, eine zweite Messung und ein vollständiges Panel. Genau an dieser Stelle setzen wir an.
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Im Longevity Office messen wir das vollständige Hormonpanel, betrachten es vor dem passenden Maßstab und besprechen mit Ihnen, was Ihr Wert im Kontext Ihrer Ziele bedeutet – unterstützt durch unsere KI-gestützte Laboranalyse. Vereinbaren Sie ein Erstgespräch über unsere Kontaktseite.
Erstgespräch anfragenWeiterführende Literatur
1 Referenzbereiche & Perzentilen (Gesamt-Testosteron)
Harmonized Reference Ranges for Circulating Testosterone Levels in Men of Four Cohort Studies (2017)
Travison TG et al. J Clin Endocrinol Metab 102:1161–1173. PMID 28324103.
Harmonisierte Perzentilen aus vier großen Kohorten, per Massenspektrometrie gemessen und zentral am CDC kalibriert – die Datengrundlage der Tabellen in diesem Artikel.
Link zur Studie →A Validated Age-Related Normative Model for Male Total Testosterone (2014)
Kelsey TW et al. PLoS One 9:e109346. PMID 25295520.
Normmodell über die Lebensspanne: Peak um 19, danach kein Abfall des Medians, aber wachsende Varianz.
Link zur Studie →What Is a Normal Testosterone Level for Young Men? Rethinking the 300 ng/dL Cutoff (2022)
Zhu A et al. J Urol 208:1295–1302. PMID 36282060.
Repräsentative US-Daten für Männer 20–44; schon das untere Drittel junger Männer liegt deutlich über der alten 300er-Grenze.
Link zur Studie →Age- and sex-adjusted reference intervals for steroid hormones by LC-MS/MS (KORA F4/Age) (2023)
Kunz S et al. Endocr Connect 13:e230225. PMID 37938144.
Alters- und geschlechtsadjustierte Referenzintervalle per LC-MS/MS aus der KORA-Studie – die beste verfügbare deutsche Referenz.
Link zur Studie →2 Freies Testosteron
Age-Stratified Reference Ranges for Directly Measured Serum Free Testosterone (2026)
Walravens J et al. J Clin Endocrinol Metab 111:e787–e793. PMID 40929374.
Altersstratifizierte Referenzbereiche für direkt gemessenes freies Testosteron (Gleichgewichtsdialyse plus Massenspektrometrie).
Link zur Studie →Reference intervals for free testosterone using a standardized equilibrium dialysis procedure (2023)
Jasuja R et al. Andrology 11:125–133. PMID 36251328.
Referenzintervalle mit standardisiertem Dialyse-Verfahren; für junge Männer deutlich höhere Werte als Walravens – ein Beispiel für die Methodenabhängigkeit.
Link zur Studie →Normal, bound and nonbound testosterone levels in normally ageing men (MMAS) (2005)
Mohr BA et al. Clin Endocrinol (Oxf) 62:64–73. PMID 15638872.
Mit dem Alter steigt SHBG, weshalb das freie Testosteron oft stärker fällt als der Gesamtwert.
Link zur Studie →A critical evaluation of simple methods for the estimation of free testosterone in serum (1999)
Vermeulen A et al. J Clin Endocrinol Metab 84:3666–3672. PMID 10523012.
Kritische Bewertung einfacher Schätzmethoden – Grundlage der gebräuchlichen Vermeulen-Formel für das berechnete freie Testosteron.
Link zur Studie →3 Diagnostik-Schwellen
EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health – Male Hypogonadism
Salonia A et al. (EAU). European Association of Urology.
Graubereich unter 8 nmol/l bei Symptomen behandlungswürdig, über 12 nmol/l meist nicht.
Link zur Leitlinie →Dr. med. Mario Domeyer & Dr. med. Paul Weißenfels
Fachärzte, spezialisiert auf Prävention und Longevity
Longevity Office